Archäologie

Ausgrabungen Hügelgräber Urlas I (2005)

Von 7. bis 11. November 2005 fanden im Bereich des unter Denkmalschutz stehenden Urlas die erste vom Historischen Vereins initiierten archäologische Ausgrabungen unter der Leitung von Mag. Dr. Georg Tiefengraber statt. Der im Wäldchen am Hang zwischen Friedhof und der Niederung des Raabtals gelegene Urlas mit seinen drei großen, auch für den Laien erkennbaren Hügeln und mehreren „Wällen“, ist seit jeher als Ort bekannt, um den sich zahlreiche Mythen ranken. So wurde an diesem Platz neben anderem die Burg des „Urleug“, der dem Ort auch seinen Namen gegeben haben soll, sowie das Grab des Attila vermutet.

Ziel der archäologischen Untersuchungen war es, herauszufinden, ob die markanten Geländeformationen natürlichen oder künstlichen Ursprungs waren. In letzterem Fall galt es zu untersuchen, wann und zu welchem Zweck die teils monumentalen Objekte errichtet wurden. Zu diesem Zweck wurde der zweitgrößte der insgesamt sieben Hügel mit einer Höhe von ca. 7 m und einem Durchmesser von knapp 30 m ausgewählt. Zwei größere, schon an der Oberfläche erkennbare Mulden wiesen darauf hin, dass der Hügel schon vor längerer Zeit das Ziel von Eingriffen war. Bei einer dieser Gruben handelte es sich um den vermutlich um den erfolglosen Versuch, in dem Hügel Schätze ausfindig zu machen, die zweite Grube konnte dank der Erinnerung eines Besuchers der Ausgrabung als Maschinengewehrstellung aus dem Zweiten Weltkrieg identifiziert werden.

Unter größtmöglicher Schonung des Baumbestandes wurde schließlich der gesamte Hügel in Ost-West-Richtung durchschnitten. Dabei zeigte es sich, dass der mächtige Hügel in seinem oberen Bereich von einer gut 1,5 m hohen künstlichen Aufschüttung bekrönt war. In den zahlreichen Aufschüttungsschichten fanden sich mehrere Keramikscherben, die in die Ältere Eisenzeit (Hallstattzeit), also in das 8. und 7. Jahrhundert vor Christus datiert werden konnten. Eine Grube mit ebensolchen Keramikscherben, Holzkohle und hitzeverziegeltem Lehm, die in eine Aufschüttungschicht eingetieft war und dann ihrerseits wieder von der nächsten Schicht überlagert wurde, bestätigte eine Datierung der gesamten künstlichen Hügelaufschüttung in die Hallstattzeit. Obwohl auf Grund der zeit- und ausdehnungsmäßig beschränkten Ausgrabung kein Grab angetroffen werden konnte, wird der Hügel – ebenso wie auch die sechs anderen Hügeln – im Urlas zweifelsohne als hallstattzeitlicher Grabhügel anzusehen sein.

Derartige Grabmonumente stellen in dieser Zeit die charakteristische Grabform schlechthin dar, wobei die Größe des Hügels Auskunft über die soziale Stellung des darunter Bestatteten gibt. In diesen Hügelgräbern wurden in der Regel die Überreste des verbrannten Toten mit seiner persönlichen Ausstattung (Gewandnadeln, Ringe etc.) zusammen mit einem reichem Tongeschirrsatz für das Jenseits beigesetzt. Krieger bekamen darüber hinaus zumeist ihr eisernes Streitbeil und eiserne Lanzenspitzen mit ins Grab. Aus dieser Zeit sind gerade aus der Steiermark einige der reichsten und bedeutensten Grabfunde bekannt, wie etwa die sogenannten „Fürstengräber“ bei Großklein im Sulmtal oder das Grab aus Strettweg mit seinem berühmten Bronzewagen.

Mit den Ausgrabungen waren intensive Begehungen des Urlas verbunden, die auch die Funktion der vermeintlichen Wälle klären konnten: Hierbei handelt es sich keineswegs um echte Erdwälle, sondern um Überreste von alten Hohlwegen, die den Urlas durchziehen. Auf jeden Fall vermochten die Ausgrabungen schon jetzt die Bedeutung der zu den Grabhügeln gehörenden Siedlung zu unterstreichen, die sich wohl im Bereich des heutigen Friedhofes und des eigentlichen Kirchbergs befunden haben wird.

Ausgrabungen Hügelgräber Urlas II (2007)

Von 16. bis 20. April 2007 wurden weitere archäologische Ausgrabungen unter der Leitung von Mag. Dr. Georg Tiefengraber im Urlas durchgeführt. Nachdem bereits durch die Ausgrabung 2005 festgestellt werden konnte, dass es sich bei dem zweitgrößten Hügel um einen Grabhügel der Älteren Eisenzeit handelt, konzentrierten sich die Untersuchungen diesmal auf eine deutlich kleinere, längliche Erhebung im Ostbereich des Gräberfeldes. Gerade dieser Bereich weist heute ein durch tief eingeschnittene Hohl- bzw. Altwege überprägtes, zerfurchtes Bild auf, das eine Beurteilung der ursprünglichen Geländesituation erschwert und auch für mehrere auffällige Geländeerhebungen eine gesicherte Ansprache als einstmalige Hügelgräber unsicher macht.

Der untersuchte Hügel mit einer Länge von 15 m, einer Breite von 10 m und einer erhaltenen Höhe von 2 m wurde an beiden Seiten von Altwegen leicht beschnitten. Ziel der Ausgrabung war es festzustellen, ob es sich bei dem Hügel wiederum um einen Grabhügel oder um eine natürliche Geländeerhebung handelt. Um den Baumbestand auf dem Hügel zu schonen und den entsprechenden Auflagen des Bundesdenkmalamtes Folge zu leisten, wurde von Anfang an davon Abstand genommen, den Hügel vollständig auszugraben. Vielmehr sollte durch einen möglichst kleinen Eingriff ein Maximum an Informationen zu gewinnen sein. Zu diesem Zweck wurde ein 15 m langer und 1,5 m breiter Schnitt durch die Mitte des Hügels gelegt, der Aufschlüsse über den Aufbau und das Innere des Hügels bringen sollte.

Die Ergebnisse waren in mehrere Hinsicht überraschend: Bei dem Hügel handelt es sich nicht um eine natürliche Formation, sondern eigentlich um zwei Grabhügel, wobei über einen älteren, kleineren Grabhügel der Älteren Eisenzeit bzw. Hallstattzeit im 2. Jahrhundert nach Christus erneut ein Grabhügel aufgeschüttet wurde. Das Areal wurde also fast 1.000 Jahre später wiederum als Bestattungsplatz verwendet. An der Südseite des Hügels, dessen nordseitiger Entnahmegraben inzwischen wieder vollständig zusedimentiert war, wurde ein Plateau eingeebnet, auf dem der Scheiterhaufen errichtet und der Verstorbene – wie der durch starke Hitze tiefrot verziegelte Lehm belegt –  verbrannt wurde. Nachdem der Scheiterhaufen abgebrannt war, wurden die verbrannten Knochen (Leichenbrand), mitverbrannte Trachtbestandteile und Beigaben sorgfältig aufgelesen und eine Erdschicht aufgebracht. Danach wurden diese Überreste in einer ovalen Grube beigesetzt und eine erste Aufschüttungsschicht aufgebracht.
Bemerkenswerterweise fanden sich in dieser Schicht zahlreiche Bruchstücke von römischen Dachziegeln, die zweifelsohne im Zusammenhang mit dem komplexen Bestattungsritual oder dem Verstorbenen selbst zu sehen sein sind. Über dieser ziegelhältigen Schicht wurde schließlich eine Feuerstelle errichtet, worauf wiederum eine rote, durch Hitze verziegelte Lehmschicht hinweist. Zum Abschluss wurden weitere Erdschichten aufgebracht, um den Grabhügel zu erhöhen.

Wie bereits in der Hallstattzeit wurde auch diesmal wieder Erdmaterial aus einem halbrund umlaufendem Graben an der Nordseite entnommen, der gleichzeitig eine optische Überhöhung des Hügels bewirkte.  Das Fundmaterial, hier insbesonders die zerscherbte Gefäßkeramik, erlaubt eine Datierung des römischen Brandgrabes in das 2. Jahrhundert nach Christus.

Offen bleiben muss vorerst die Frage nach der zugehörenden Siedlung dieses römischen Gräberfeldes. Aufzeichnungen von Pfarrer Anton Meixner, der von 1885 bis 1903 als Pfarrer in Kirchberg bzw. von 1903 bis 1906 als Missar in Eichkögl wirkte, deuten darauf hin, dass sich diese möglicherweise im Bereich der wenige hundert Meter südlich gelegenen Pfarräcker befand.

Ausgrabungen Hügelgräber Oberdorf (2008)

Ziel der archäologischen Ausgrabungen in Oberdorf von 27. Oktober bis 3. November 2008 unter der Leitung von Mag. Dr. Georg Tiefengraber war die Untersuchung eines bereits durch den Pflug teilweise zerstörten Grabhügels. Durch das Interesse des Grundbesitzers Johann Schabl  wurde der Historische Verein bereits 2007 auf einen ausgesprochen großen Grabhügel am Hang südwestlich des Oberdorfer Gemeindeamtes aufmerksam gemacht. Bei einer gemeinsamen Begehung konnte schließlich festgestellt werden, dass sich westlich des großen Hügels noch ein weiterer, teilweise bereits zerstörter Grabhügel befand. Ein weiterer, inzwischen vollständig abgetragener bzw. eingeebneter Hügel ließ sich noch als kreisrunde Verfärbung im benachbarten Acker ausmachen. Südlich und weiter hangaufwärts lagen zusätzlich noch mehrere grabhügelartige Strukturen.

Bei der ausschnitthaften Untersuchung des bereits teilweise zerstörten Hügels konnten bemerkenswerte Ergebnisse erzielt werden: Bei dem noch annähernd 18 x 10 m großen und bis zu 2 m hohen Hügel handelt es sich definitiv um einen künstlich aufgeschütteten, nach Ausweis der Keramikfunde römerzeitlichen Grabhügel aus dem 2. Jahrhundert nach Christus. Der heute noch sichtbare große Grabhügel überdeckte dabei einen etwas älteren, ebenfalls römerzeitlichen Grabhügel. Dieser deutlich kleinere und niedrigere Hügel wies einen Durchmesser von 4 m auf und war gerade einmal 30 cm hoch.

Zu seiner Anlage wurde eine natürliche Geländerippe geschickt ausgenützt, indem man einerseits die Rippenflanken künstlich absteilte bzw. herausmodellierte und andererseits auf der Rippe einen halbrund umlaufenden Graben zog. Das anfallende Erdmaterial diente dabei gleich zur Aufschüttung des Hügels. Durch diese einfachen Maßnahmen wurde optisch ein wesentlich größerer Hügel vorgetäuscht. Aufgrund der wegen des extrem starken Bewuchses bewusst klein gehaltenen Grabungsfläche wurden zwar keine zugehörenden Gräber angetroffen, doch kann ihre Lage innerhalb des Hügels nunmehr relativ genau abgeschätzt werden.

Eine besondere Überraschung stellte der Fund von bronzezeitlichen Keramikscherben dar, die im Zuge der Aufschüttung der römerzeitlichen Grabhügel verlagert wurden und in die Hügelaufschüttungsschichten gelangten. Es ist davon auszugehen, dass die Scherben ursprünglich aus dem unmittelbar umliegenden Bereich stammen. Sie sind ein wertvoller Hinweis darauf, dass sich die römerzeitlichen Grabhügel im Areal einer Siedlung der ausgehenden mittleren bzw. beginnenden späten Bronzezeit aus dem 14. bzw. 13. Jahrhundert vor Christus befinden.

Ausgrabungen Hügelgräber Berndorf (2009)

Im Bereich des Lebernfeldes im Osten von Berndorf fanden von 29. Oktober bis 11. November 2009 unter der Leitung von Mag. Dr. Georg Tiefengraber archäologische Untersuchungen statt. Aufgrund der schlechten Witterungsbedingungen, die ein allmähliches Ansteigen des Grundwassers bis knapp unter die Ackeroberfläche verursachten, mussten die Ausgrabungen früher als geplant abgebrochen werden. Eine Fortsetzung und Fertigstellung der Untersuchung ist aufgrund der bemerkenswerten Funde und Befunde für die nächsten Jahre geplant.

Das Berndorfer Lebernfeld ist spätestens seit den umfangreichen Aufzeichnungen von Pfarrer Anton Meixner Ende des 19. Jahrhunderts als ursprünglich wohl recht ausgedehntes Hügelgräberfeld der römischen Kaiserzeit bekannt. In mehreren Eintragungen von Meixner lässt sich darüber hinaus die zunehmende Zerstörung des ursprünglich wohl ausgedehnten Gräberfeldes durch Schatzgräber und durch die zu dieser Zeit einsetzende Nutzung des Areals als Ackerfläche ablesen. So wusste Meixner in der Kirchberger Pfarrchronik Folgendes über die Hügelgräber in Berndorf zu berichten: „Um 1820 standen auf dem Lebernfeld noch viele Kögel, als man nach und nach abgrub, wurden viele merkwürdige und kostbare Sachen aufgegraben … 1840 standen nur 3 Kogel und vom Jahr 1865 bis 1866 nur mehr ein einziger nennenswert; etliche bildeten nur mehr Erhöhungen auf dem Ackerfelde … Funde wurden bei der Abgrabung der Kogel sehr viele gemacht, was von denselben brauchbar, wurde verwendet und benutzt z.B. Ziegel, Bausteine; ganze Geschirre, Eisen und Metallgeräthe; mit Ziegel-Geschirrtrümern und dgl. wurden die Wege beschottert; die Kostbarkeiten wurden ehestens verkauft, manches Stück davon etwa dem Bezirksgericht Kirchberg überlassen.“

Bei den Ausgrabungen 2009 sollte untersucht werden, ob noch Reste der Grabhügel erhalten sind oder ob diese bereits vollständig zerstört waren. Zu diesem Zweck wurden mit dem Bagger insgesamt sechs Suchgräben gezogen, wobei in einem Graben im Bereich einer kaum mehr erkennbaren Geländewelle tatsächlich ein steinerner Grabeinbau eines römerzeitlichen Hügelgrabes angeschnitten wurde. An dieser Stelle wurde anschließend auf einer größeren Fläche der Humus mit dem Bagger entfernt.

Nach dem händischen Putzen der über 100 Quadratmeter großen Fläche ergab sich folgendes Bild: Die Geländewelle stellt den unregelmäßig verschliffenen Rest eines ausgesprochen großen römerzeitlichen Grabhügels aus dem 2. oder 3. Jahrhundert nach Christus dar, der ursprünglich einen Durchmesser von 25 bis 30 m hatte. Die am Rand noch vorhandenen Hügelaufschüttungsschichten lassen aufgrund ihrer Neigung an eine einstige Höhe des Hügels von mindestens 3 m denken. Etwas dezentriert nach Norden versetzt, besaß der Hügel einen steinernen Grabeinbau, von dem noch mehrere Steinlagen der teilweise gemörtelten Mauer vorhanden sind.

Die etwa 5 x 5 m große, fast exakt nach Norden ausgerichtete Grabkammer verfügte an ihrer Nordseite über einen Zugang, der von zwei parallelen, ca. 2 m langen Steinmauern flankiert war. Die beiden Mauern aus Basaltbruchsteinen ohne Mörtelbindung dieses sogenannten „Dromos“ wurden am Nordende mit weißen Kalksteinplatten abgeschlossen, die so auch den Eingang markierten. Nördlich des Dromos konnte ein bis zu 3 m breiter, verfüllter Graben festgestellt werden, bei dem es sich entweder um einen Umfassungsgraben des Grabhügels oder um einen Materialentnahmegraben zur Aufschüttung des Hügels handelt.

In den erhaltenen Hügelaufschüttungsschichten fanden sich zahlreiche Keramikfragmente, die eine genaue Datierung der Schichten bzw. des Hügels ermöglichten, und das Bruchstück eines fein geschnitzten und verzierten Beingegenstandes. Dabei handelt es sich um das Bruchstück eines beinernen Kästchens zur Aufbewahrung von Toiletteartikeln oder Schmuck. Derartige Kästchen werden auf zahlreichen römerzeitlichen Grabreliefs dargestellt, wo sie zumeist von Dienerinnen (der Verstorbenen?) getragen werden. Nur selten begegnen wir Resten dieser Schatullen in Gräbern, was einerseits auf die oftmals durch den aggressiven Boden verursachten, schlechten Erhaltungsbedingungen für Beinfunde insgesamt zurückzuführen ist, andererseits dürften sie auch meistens mit den Verstorbenen auf dem Scheiterhaufen mitverbrannt worden sein. Vereinzelte prähistorische Scherben aus den Hügelaufschüttungsschichten belegen weiters eine Besiedlung des Areals in Berndorf schon vor der römischen Kaiserzeit.
Schon kurz nach Beginn der Ausgrabung war deutlich ersichtlich, dass der Grabhügel im Bereich der steinernen Grabkammer mindestens vier Mal angegraben und großteils durchwühlt und geplündert wurde. Besonders das Innere der Kammer wies heftige Störungen auf, die auf eine gezielte Durchsuchung nach Grabbeigaben hindeuten. Diese zentrale Störung und Beraubung dürfte durch einen mittig von der Hügelkuppe aus abgetieften Schacht erfolgt sein, der wohl zuerst die Hinterwand der dezentriert im Hügel gelegenen Grabkammer erfasste. Diese wurde daraufhin zerstört, um in die eigentliche Grabkammer zu gelangen, die durchwühlt und geplündert wurde.

Ein zweiter Plünderungsversuch erfolgte von der Nordseite des ehemaligen Grabhügels. Dieser Störungs- bzw. Beraubungsgraben stieß auf den Dromos, das heißt den gemauerten Zugang zur Grabkammer, durch den man in die Grabkammer zu gelangen versuchte. Dieser Vortrieb wurde allerdings unterbrochen, noch bevor die Grabkammer erreicht wurde. Dass dabei dennoch eine Bestattung angetroffen wurde, belegen verstreute verbrannte Menschenknochen (Leichenbrand) und Teile eines zerschlagenen, größeren Topfes, die im Dromos belassen bzw. weggeworfen wurden.

Ob diese Beraubungen noch in der Römerzeit stattfanden oder um 1840, was aufgrund der Berichte von Pfarrer Meixner eher anzunehmen ist, sei vorerst dahingestellt. Eine weitere Beraubung bzw. Störung erfolgte erst vor einigen Jahrzehnten (um 1950?), bei der mittels eines sehr regelmäßigen meterbreiten Grabens die gesamte Ostmauer der Grabkammer abgetragen wurde. Möglicherweise wurde dabei versucht, die durchaus soliden und verwertbaren Steine der Grabkammer gezielt für andere Zwecke zu bergen.

Für den Bau der Grabkammer wurden zum überwiegenden Teil gut zugerichtete Basalt- und Basalttuffbruchsteine verwendet, die offensichtlich aufgrund ihrer guten Bearbeitbarkeit und Härte überhaupt das bevorzugte steinerne Baumaterial im 2. und 3. Jahrhundert nach Christus im mittleren Raabtal darstellten. Die Steine dürften großteils aus den Brüchen des Steinbruchs in Unterweißenbach bei Feldbach stammen, einzelne Stücke mit Olivineinschlüssen deuten auch auf eine Herkunft des Steinmaterials vom Kapfensteiner Kogel hin. Die reinweißen Kalksteinplatten, die den Dromoseingang markierten, wiesen eine fragiloolithische Struktur auf. Die Herkunft des Kalksteins konnte noch nicht bestimmt werden, doch scheint es sich auch hierbei um ortsfremdes Gestein zu handeln.

Trotz dieser erheblichen Störungen konnten bemerkenswerte Funde geborgen werden, die für die Plünderer und Raubgräber von geringem Interesse und Wert waren. An zwei Stellen wurden innerhalb der Grabkammer noch Konzentrationen von Wandverputzresten festgestellt, die ursprünglich dekoriert waren. Diese Verputzbruchstücke belegen, dass die Grabkammer innen mit aufwändigen Bemalungen versehen war. Dazu wurde der rohe Kalkverputz zuerst gut geglättet und mit einer Kalktünche als Malgrund überzogen, in die die Bemalungsmuster eingeritzt wurden. Anschließend wurde die Farbe auf die noch leicht feuchte Kalktünche aufgetragen bzw. aufgemalt, wobei sich bislang lineare dunkelrote Bänder sowie geschwungene ockerfarbene bzw. gelbe Bänder auf den Bruchstücken erkennen lassen.

Stellten alleine schon die Größe des Grabhügels und das Dromosgrab eine anspruchsvolle und gehobenere Art der Grabarchitektur im 2. und frühen 3. Jahrhundert nach Christus dar, die einen Hinweis auf den einstigen Reichtum der Besitzer des Grabes liefern, vermag gerade die dekorative und mehrfarbige Bemalung der Grabkammer, die bislang erst in wenigen Hügelgräbern der einstigen römischen Provinzen Noricum und Pannonien nachgewiesen werden konnte, diesen einstigen „Gräberluxus“ zu unterstreichen, der einerseits dem Verstorbenen ein entsprechend standesgemäßes „Ambiente“ seiner letzten Ruhestätte bieten, andererseits den irdischen Reichtum des Verstorbenen und seiner Anverwandten zur Schau stellen sollte.

Auf jeden Fall verdeutlicht das erheblich gestörte Grab die Tatsache, dass das ursprünglich ausgedehnte Hügelgräberfeld Berndorf-Lebernfeld nicht nur einen Friedhof für eine ärmliche, bäuerliche Bevölkerung darstellte, sondern einen überaus bemerkenswerten Reichtum der hier Bestatteten widerspiegelt. Es zeichnet sich insgesamt aufgrund der archäologischen Forschungen des letzten Jahrzehnts eine überaus dichte Besiedlung in der Südoststeiermark ab, die teilweise einen ansehnlichen Wohlstand erkennen lässt. Gerade die aktuellen Forschungen im Raum Kirchberg können in dieser Hinsicht als treffliches Beispiel genannt werden, ließ sich doch hier durch die Aktivitäten des Historischen Vereins für das Kirchberger Ländchen in den letzten Jahren durch Ausgrabungen, Begehungen und Luftbilder eine unerwartete Verdichtung der Fundstellen erreichen.

Obwohl die archäologischen Untersuchungen in dem weitgehend eingeebneten und mehrfach gestörten Grabhügel noch nicht beendet sind, konnten aufgrund der Art der Grabkammer und der einstigen Hügelgröße wichtige Erkenntnisse gewonnen werden. Das untersuchte Hügelgrab stellt zweifelsohne eines der größten und ursprünglich sicher reichsten des wohl einst weit ausgedehnten Hügelgräberfeldes in Berndorf-Lebernfeld dar. Analog zu der Situation am nahe gelegenen Saazkogel bei Paldau, dürfte das Berndorfer Gräberfeld zu einer größeren römerzeitlichen Siedlung gehört haben, deren genaue Lage jedoch noch nicht bekannt ist.

Feldbegehung Studenzen (2009)

Am 25. November 2009 wurde auf dem landwirtschaftlich genutzten Areal im Südosten des Kreisverkehres in Studenzen von Mag. Dr. Georg Tiefengraber, Florian Mauthner, Michael Zehentner und Robert Grabner eine archäologische Feldbegehung durchgeführt. Auf Luftbildern sind in dem Bereich als Unterschied im Feldbewuchs lineare, verschachtelte Bewuchsstrukturen erkennbar, die auf ein oder mehrere abgekommene Gebäude hindeuten. Eine halbrunde Struktur innerhalb eines solchen Komplexes legt die Vermutung nahe, dass es sich dabei um eine Apsis innerhalb eines römischen Steingebäudes, vermutlich einer sogenannten „villa rustica“, handelt, wo derartige architektonische Elemente fast regelhaft beobachtet werden können.

Zur Veri- oder Falsifizierung dieser Annahme wurden die allesamt als Äcker genutzten Parzellen 626/1, 627, 628, 630, 632/1, 632/2, 632/5 und 638/6 der Gemeinde Studenzen systematisch in regelmäßigen Streifen von je 10 m Abstand begangen und alle möglichen Funde (Keramik- und Glasfragmente, Ziegelbruchstücke und ortsfremde Steine) aufgesammelt bzw. lagemäßig festgehalten. Eine Auswertung dieser Funde ergab eine Konzentration von römerzeitlichen Keramikfragmenten im Bereich der vermuteten römischen Villa auf Parzelle 630.

Weitere ortsfremde Kalksteinkonzentrationen, die ebenfalls auf eine einstmalige römerzeitliche Bebauung hinweisen, wurden knapp 100 m davon entfernt im Nordbereich der Parzelle 632/5 und im südlichen Teil der Parzelle 638/6 dokumentiert. Obwohl der nur durch archäologische Augrabungen zu erbringende definitive Nachweis einer römerzeitlichen „villa rustica“ in diesem Bereich noch aussteht, liegen sehr konkrete Hinweise auf einen derartigen römerzeitlichen Gutshof im heutigen Überschwemmungsgebiet der Raab vor.

Ausgrabungen Höhensiedlung Fuchskogel I (2013)

Der Fuchskogel bei Fladnitz kann als gutes Beispiel dafür betrachtet werden, dass sichere Aussagen über das Alter bzw. die Datierung und einstmalige Funktion von auch heute noch obertägig erhaltenen Bodendenkmälern wie Grabhügeln oder Wällen und Gräben erst durch gezielte archäologische Ausgrabungen unter Einbeziehung modernster naturwissenschaftlicher Datierungsmethoden getroffen werden können und dürfen. Galt der Fuchskogel bislang als eine Wehranlage oder Fluchtburg der frühen Neuzeit (15. bis 17. Jahrhundert nach Christus), die vermutlich im Zuge der Türken-, Hajduken- und Kuruzzeneinfälle in die Südoststeiermark erbaut worden war, kann durch gezielte Radiokarbonanalyse (C14-Datierung) nunmehr festgehalten werden, dass die Befestigungsanlagen am Fuchskogel deutlich älter datieren: Sie sind in der Zeit zwischen 2200 bis 2000 v. Chr., also zu Beginn der Frühbronzezeit, errichtet worden.

Der Fuchskogel selbst bzw. die sich dort befindenden Reste von Wall und Graben wurden im Jahr 1983 durch den Heimatforscher Ing. Kurt Kojalek durch systematische Fluranalysen und Geländebegehungen entdeckt. Die Anlage befindet sich am östli­chen Rand des Raabtales zwischen Studenzen und Fladnitz auf einem annähernd in Südwest-Nordost-Richtung verlaufenden, leicht abfallenden und spitz zulaufenden Geländesporn, der den Fuchsgraben nach Süden hin begrenzt und in das Raabtal mündet.

Die heute noch gut erkennbare Wehranlage ist dem Gelände gut angepasst und besteht in erster Linie aus einem künstlich aufgeschütteten, an der Basis ca. 20 m breiten und an der Krone ca. 2 m breiten Wall, dem nach Nordosten hin ein heute teilweise verfüllter, knapp 5 m breiter Graben vorgelagert ist. Der Wall selbst begrenzt die Nordostseite der noch ca. 90 x 30 m großen Anlage und trennt diese gleichzeitig vom restlichen Hügelkamm ab (Abschnittswall).

Durch eine Reihe von Keramikstreufunden, die von Ing. Kurt Kojalek und Mag. Dr. Reinhold Wedenig im Zuge der systematischen archäologischen Lan­des­aufnahme durch das Bundesdenkmalamt getätigt wurden, konnte eine erste grobe Datierung der Anlage in das 15. bis 17. Jahrhundert nach Christus vorgenommen werden, ältere Funde wurden bei diesen Aufsammlungen nicht angetroffen. Im Hinblick auf die schon erwähnte per­manente Gefährdung besonders des mittleren Raabtales durch die Türken-, Hajduken- und Kuruzzeneinfälle, war demzufolge eine Ansprache der Befestigungsanlage am Fuchskogel als spätmittelalterliche bzw. frühneuzeitliche Wehranlage naheliegend.
Aufgrund ihrer Konstruktion wich die Wehranlage aber deutlich von den zahlreichen und gut bekannten hochmittelalterlichen Turmburgen bzw. Turmhügeln oder Motten ab, die gerade in der an Steinen „armen“ mittleren Oststeiermark in der Regel als reine Holz-Erde-Burgen an­gelegt waren. Hingegen war eine Einstufung als frühneuzeitliche Fluchtburg durchaus denkbar. Handelte es sich hierbei doch ebenfalls um simple Holz-Erde-Konstruktionen, die in Kri­senzeiten in kürzester Zeit errichtet werden mussten. Vergleichbare Anlagen waren und sind aus dieser Zeit in der Südostststeiermark nicht bekannt. Aus diesem Grund war eine ex­akte Abklärung der Errichtungszeit, der Funktion sowie des Aufbaus von Wall und Graben nur durch eine archäologische Ausgrabung möglich.

Von 18. bis 29. März 2013 fanden unter dieser Fragestellung schließlich gezielte archäologische Ausgrabungen von einem Team des Instituts für Bronze- und Eisenzeitforschung im Südostalpenraum (ISBE) unter der Leitung von Mag. Dr. Georg Tiefengraber statt. Grundeigentümer Harald Bartlme aus Fladnitz sei an dieser Stelle für die Erlaubnis zur Durchführung der Ausgrabungen in seinem Wald sehr herz­lich gedankt.
Bei der Ausgrabung wurde zuerst mit einem Bagger vorsichtig und kontrolliert ein Schnitt durch den Wall und den Graben gezogen, der dann händisch begradigt und von den Wurzeln befreit wurde. Anschließend wurden die Erdwände, die sogenannten Profile des Schnittes, mit Feinwerkzeug solange „geputzt“, bis sich die unterschiedlichen Erdschichten durch ihre Farbe und Konsistenz (z.B. Sand- oder Lehmschichten) klar trennen ließen. Diese wurden schließlich zeichnerisch, fotografisch und deskriptiv dokumentiert, wobei der Abfolge der einzelnen Schichten besonderes Augenmerk geschenkt wurde.

Der Aufbau dieser Erdschichten vermochte die „Lebensgeschichte“ des Walles und Grabens klar nachzuzeichnen: Demzufolge wurde an einer leicht abgesetzten, natürlichen Geländekante an einer Schmalstelle des Fuchskogels eine massive Holzpalisade errichtet. Dafür wurde ein ca. 40 cm breites Gräbchen in den anstehenden Lehmboden gegraben, in das anschließend bündig aneinandergereiht dicke Holzpfosten gesetzt wurden. Deren angespitzten Enden waren vorher angekohlt worden, um ein Vermodern des Holzes in der Erde zu verhindern. Direkt vor die Palisade wurde zusätzliches Erdmaterial aufgebracht, das zur Verstärkung und Stabilisierung diente. Der leicht abschüssige Bereich „hinter“ dem Wall wurde anschließend mit gut trennbaren Erdschichten hinterfüllt, was offensichtlich in mehreren Arbeitsschritten erfolgte.

In Anbetracht der Tatsache, dass der Wall heute noch gut fünf Meter hoch erhalten ist, kann davon ausgegangen werden, dass auch die Palisade ursprünglich dementsprechend hoch war. Der Wall selbst hatte eine beeindruckende Breite von mindestens 15 m. Außerhalb des Walles wurde schließlich ein fast 5 m breiter und 1,80 m tiefer Graben in den anstehenden Boden eingetieft, wodurch der Höhenunterschied zwischen Wallober- und Grabenunterkante fast 7 m betrug − was immerhin eine beachtliche und von einem Angreifer nicht ohne weiteres zu überwindende Höhe darstellte. Außerdem darf davon ausgegangen werden, dass auf dem Wall wohl auch eine hölzerne Brustwehr errichtet war, die eine wirksame und geschützte Bekämpfung eines Angreifers aus überlegener Höhe ermöglichte. Da keine Hinweise auf eine gewaltsame Zerstörung der Befestigungsanlage vorliegen, ist davon auszugehen, dass diese aus anderen Gründen aufgegeben worden war. Nachdem die hölzernen Palisaden nicht mehr länger instand gehalten worden waren, verfielen diese durch den Erddruck der dahinter liegenden Aufschüttung rasch. Schon unmittelbar danach erodier­ten die Erd- und Lehmaufschüttungsschichten des Walles in den Graben und verfüllten diesen so weit, dass dieser vor Beginn der Ausgrabungen im Gelände lediglich noch als seichte Senke erkennbar war. In dem untersuchten Abschnitt des Walles waren keinerlei Spuren einer späteren „Nachnutzung“ als Fortifikationsanlage oder Ähnliches nachweisbar, sodass von einer Einphasigkeit ausgegangen werden muss.

Im Zuge der Ausgrabungen wurden weder in den massi­ven Aufschüttungs- noch in den Erosionsschichten, die den Graben verfüllen, Funde getätigt, die einen Datierungshinweis hätten liefern können. Lediglich in der untersten Verfüllung des Palisadengräbchens fanden sich vereinzelte Keramikbruchstücke, die, obwohl noch ungereinigt und unrestauriert, vorerst grob als bronzezeitlich eingestuft werden konnten. Neben diesen an sich kleinteiligen und eher unscheinbaren Scherben fanden sich in fast konstan­ten Abständen Konzentrationen von Holzkohlestücken, die offenkundig von den angespitzten und angekohlten Palisadenpfosten stammten. Während das Holz der Pfosten vollständig vergangen war, erhielten sich lediglich die verkohlten Bereiche an der Pfostenspitze. Die Tatsache, dass bronzezeitliche Keramikfunde innerhalb des Palisadengrabens festgestellt wer­den konnten, ließen bereits erste Zweifel an einer frühneuzeitlichen Datierung des Walles und des Grabens aufkommen, doch war zu diesem Zeitpunkt die Möglichkeit nicht aus­zu­schlie­ßen, dass die kleinteiligen Scherben erst zu einem deutlich späteren Zeitpunkt mit dem Erdmaterial zur Stabilisierung der Pfosten im Palisadengräbchen in dieses gelangt sein könnten.

Eine eindeutige Abklärung der Situation zur Feststellung des tatsächlichen Alters der Anlage war demzufolge lediglich durch eine naturwissenschaftliche Datierung der Holzkohlenstücke aus dem Palisadengraben möglich. Zu diesem Zweck wurde eine Holzkohlenprobe an das Beta Analytic Radiocarbon Dating Laboratory in Miami in Florida übermittelt, das eine entsprechende C14-Datierung dieser organischen Rückstände durchführte.

Im Fall der Holzkohlenprobe vom Fuchskogel liegt nach der Kalibrierung eine Datierung der Palisadenhölzer in die Zeit zwischen 2290 und 2060 vor Christus vor – und das mit einer Wahrscheinlichkeit von 95 Prozent. Das bedeutet, dass die Pfosten im letzten Viertel des dritten Jahrtausends vor Christus geschlägert und als Bauholz verwendet worden waren. Dadurch kann belegt werden, dass sowohl der hinter der Palisade aufgeschüttete Wall als auch der Graben in dieser Zeit errichtet worden sind.

Während die Frühbronzezeit in Österreich auf Grund zahlreicher großer und beigabenreicher Gräberfelder und auch Siedlungen vor allem in Nieder- und Oberösterreich sowie dem nördl­i­chen Burgenland als ausgesprochen gut erforscht bezeichnet werden kann, stellt sich die Si­­­tu­a­tion in der Steiermark und in Kärnten komplett anders dar: Aus der Steiermark lassen sich bislang nur zehn Fundstellen anführen, die frühbronzezeitliche Funde erbracht haben.

Bei sechs Fundstellen (Wildoner Schlossberg, Raababerg bei Graz, Unterpurkla, St. Michael bei Leoben, St. Lorenzen bei Knittelfeld und Strettweg bei Judenburg) handelt es sich um Sied­lungen, von denen nur die Siedlung am Wildoner Schlossberg archäologisch ausschnittweise untersucht worden ist. Von den anderen fünf Fundstellen liegen lediglich Keramikfragmente als Streufunde vor, sodass hier nur wenige Angaben zu Größe oder gar Aussehen dieser Siedlungen gemacht werden können. Dazu kommt, dass diese Keramikfunde allesamt erst einer entwickelten Phase innerhalb der Frühbronzezeit zuzurechnen und in die Zeit zwischen 2000 und 1700/1600 vor Christus zu stellen sind.
Diese Keramikfunde lassen sich auf Grund ihrer Gefäßformen und insbesondere ihrer charakteristischen Verzierungen zwei Kulturgruppen zuordnen, die im benachbarten Ungarn und im nordöstlichen Slowenien sowie im nordwestlichen Kroatien ihr Verbreitungsgebiet besaßen. Zum einen handelt es sich dabei um die nach einem Fundort in Ungarn benannte sogenannten Kisapostag-Kultur, die sich am Raababerg, Wildoner Schlossberg und in Unterpurkla nachweisen lässt und grob in die Zeit zwischen 2000 bis 1800 vor Christus datiert werden kann. Zum anderen handelt es sich um eine einstmals nach einem burgenländischen Fundort als „Drassburger-Kultur“ bezeichnete Erscheinung, die allerdings nunmehr aufgrund ihrer besonders auffälligen Keramikverzierungsweise gemeinhin als „Litzen-Keramik“ bezeichnet wird. Charakteristisch für diese Keramik ist, dass feine Stoffbänder linien- oder wellenlinienförmig in den noch weichen Ton eingedrückt wurden und entsprechende Abdrücke hinterließen. Zahlreiche 14C-Analysen der letzten Jahre erlaubten es, die „Litzen-Keramik“ in die Zeit zwischen 1800 bis 1600 vor Christus zu datieren. Abgesehen von den drei erwähnten Fundorten, begegnet „Litzen-Keramik“ in der Steiermark noch in St. Michael bei Leoben, St. Lorenzen bei Knittelfeld und Strettweg bei Judenburg.

Neben diesen Keramikfunden aus Siedlungen, liegen (oder lagen) lediglich aus vier weiteren Fundstellen frühbronzezeitliche Funde vor, bei denen es sich um zum Teil feinchronologisch nicht genauer datierbare Metallfunde handelt. So lag aus Hartberg ein heute verschollener Bronzemeißel mit Randleisten vor, aus Judenburg stammte ein ebenfalls verschollener Depotfund aus fünf Bronzeringbarren und einem Flachbeil. Ein weiterer, heute im Universalmu­seum Joanneum aufbewahrter Bronzemeißel wurde – gleich wie eine Kugelkopfnadel mit schräg durchlochtem Kopf – im 19. Jahrhundert in der Schottergrube Portenschlager in der Lindengasse in Graz gefunden und schließlich muss noch ein dreiecki­ger sogenannter Stabdolch angeführt werden, der in der Großen Badlhöhle bei Peggau geborgen wurde und sich ebenfalls im Joanneum befindet.
Aus dem eben Erwähnten wird offensichtlich, dass ge­sicherte Funde bzw. Fundstellen der frühen Phase der Frühbronzezeit in der Steiermark bislang fehlen. Mit der befestigten Siedlung am Fuchskogel liegt nun nicht nur der erste Nachweis einer Siedlung der frühen Frühbronzezeit in der Steiermark überhaupt vor, es konnte mittels naturwissenschaftlicher Datierungsmethoden nunmehr bemerkenswerterweise auch die älteste bekannte befestigte Siedlung der Steiermark nachgewiesen werden.

Es ist zwar derzeit noch nicht möglich, das spärliche Keramikfundmaterial einer der benachbarten und besser erforschten Kulturgruppen zuzuordnen (Wieselburger-Kultur, Unterwölb­linger- oder Leithaprodersdorf-Gruppe), doch wäre nun zum ersten Mal überhaupt die Mög­lichkeit gegeben, durch eine Fortsetzung der archäologischen Ausgrabungen am Fuchskogel eine der weiterhin „dunkelsten“ Epochen der Geschichte der Steiermark kräftig zu erhellen.

Ausgrabungen Höhensiedlung Fuchskogel II (2014)

Von 12. bis 23. Mai 2014 fanden am Fuchskogel bei Fladnitz zum zweiten Mal archäologische Ausgrabungen statt, die vom Historischen Verein initiiert und mit Unterstützung der Gemeinden Eichkögl, Fladnitz, Kirchberg, Oberdorf, Oberstorcha und Studenzen finanziert wurden. Die Grabungen führte abermals Team des Instituts für südostalpine Bronze- und Eisenzeitforschung durch: Mag. Dr. Georg Tiefengraber, Mag. Susanne Tiefengraber, Mag. Stefan Fuchs und cand. phil. Nicole Sommer.

Im Jahr 2013 war es im Zuge einer ersten archäologischen Ausgrabung möglich, die Befestigungsanlage einer eingehenden Untersuchung zu unterziehen, die unter Einbeziehung naturwissenschaftlicher Methoden (Radiokarbon- bzw. C14-Datierung) den Nachweis erbrachte, dass Wall und der Graben bereits in der frühen Bronzezeit um 2100 vor Christus errichtet worden waren. Damit ist die Anlage die älteste bislang bekannte Befestigung in der Steiermark überhaupt. Durch Keramikscherbenfunde konnte man nachweisen, dass die Höhensiedlung am Fuchskogel der Kisapostag-Kultur zuzuweisen ist, die schwerpunktmäßig in Westungarn, aber auch in Nordwestkroatien und Nordostslowenien in der Zeit zwischen etwa 2100 bis 1800 vor Christus  verbreitet war. Nach einer Überprüfung der wenigen bislang aus der Steiermark bekannten Funde aus der frühen Bronzezeit wurde somit klar belegbar, dass zumindest die Südoststeiermark sowie wohl auch das Grazer Becken und das Leibnitzer Feld ebenfalls dieser Kulturgruppe zuzurechnen sind. Der Fuchskogel stellt jedoch die größte und einzige befestigte Siedlung dieser Zeit in unserem Bundesland dar.

Der Schwerpunkt der ersten Grabungswoche im Frühjahr 2014 galt nicht den Befestigungsanlagen, sondern dem inneren Siedlungsbereich. Zu diesem Zweck wurde ein Ausgrabungsschnitt angelegt, mit dem Reste der einstmaligen Innenverbauung, das heißt von Gebäuden, Gruben oder Gräbchen, Feuerstellen bzw. Öfen etc. erfasst werden sollten. Bereits in der ersten Grabungswoche wurden zwei größere rechteckige Gruben oder kleine Grubenhäuser ausgegraben, die Größen von 1,5 x 1,0 m bzw. 2,7 x 1,5 m bei einer Tiefe von etwa 0,5 m besaßen. Die kleinere der beiden Rechteckgruben enthielt eine größere Anzahl von Bruchstücken von tönernen Webstuhlgewichten, sodass davon ausgegangen werden kann, dass es sich dabei um eine Art „Webgrube“ gehandelt haben dürfte, in der entweder ein ganzer Webstuhl stand, oder in an den Kettfäden angebrachten Gewichte hingen. Aus der zweiten rechteckigen Grube stammt unter anderem ein steinerner Pfeilschaftglätter, der benötigt wurde, um eben Pfeilschäfte entsprechend zu begradigen und zu glätten. Weitere Gruben und ein Balkengräbchen, in das ursprünglich wohl ein Schwellbalken als Auflage für eine Gebäudewand eingelegt war, erbrachten ebenfalls Keramikfunde, die erneut der Kisapostag-Kultur zuzuordnen sind. Bereits in dem kleinen Ausschnitt der Grabungsfläche wurde klar, dass die Siedlung am Fuchskogel sehr dicht bebaut und wohl über mehrere Generationen hin verwendet worden war.

In der zweiten Grabungswoche galt der Schwerpunkt der Untersuchung der Konstruktion der inneren Wallseite und der darunter liegenden älteren Siedlungsbefunde. Die Funde und dokumentierten Befunde erlauben eine überraschende und wesentlich detailiertere Interpretation der Bebauungs- und Besiedlungsabfolge innerhalb der befestigten Siedlung. Zusammenfassend lässt sich die Situation folgendermaßen umreißen:

Der von Natur aus an drei Seiten geschützte Sporn des Fuchskogels wurde wohl im 22. Jahrhundert vor Christus das erste Mal besiedelt. Dieser ersten Siedlungsphase, deren Fundmaterial − allen voran die charakteristischen Keramikfunde − einer Frühphase der Kisapostag-Kultur zuzuweisen ist, sind zwei Gebäude zuzurechnen, die im Zuge der Ausgrabung teilweise freigelegt werden konnten. Dabei handelte es sich um Gebäude, die auf einer kompakten Steinrollierung errichtet worden waren. Diese Rollierung diente wohl einerseits als Fundamentierung und zur Verfestigung des Untergrundes, andererseits bewirkte sie einen merklichen Feuchtigkeitsschutz der aufliegenden Fundamentschwellbalken. Die zahlreichen Fragmente von hitzeverziegeltem Lehm, mit dem einstmals die Wände aus Rutengeflecht bedeckt waren, besaßen oftmals Abdrücke der damit bedeckten Bauhölzer und weisen darauf hin, dass es sich bei den Gebäuden um Ständerbauten gehandelt haben dürfte. Dabei waren in die Fundamentschwellbalken Holzsteher aufgesetzt bzw. eingelassen, die Zwischenräume wurden mit Rutengeflecht ausgefacht und anschließend mit Lehm „ummantelt“. Die ursprüngliche Größe der Gebäude kann aufgrund der eingeschränkten Grabungsfläche zwar nicht vollständig eruiert werden, doch lag die Länge auf jeden Fall über 4 m.

Weiters konnte festgestellt werden, dass ein Gebäude dieser ersten frühbronzezeitlichen Bauphase von der massiven Aufschüttung des ersten Walles überlagert worden war und dadurch eben entsprechend älter sein musste, als der Wall, der mittels Radiokarbondatierung in das 21. Jahrhundert vor Christus gestellt werden kann. Ob nun die Siedlung in dieser ersten Bauphase unbefestigt war oder etwa mit einer einfachen Holzpalisade geschützt wurde, kann vorerst nicht beantwortet werden, da der für eine Abklärung der Befundsituation in Betracht zu ziehende Bereich noch nicht untersucht wurde.

In einer zweiten frühbronzezeitlichen Bauphase wurden einerseits der Wall und wohl auch der vorgelagert Graben errichtet, die Gegenstand der Untersuchungen im Jahr 2013 waren. Andererseits wurde der innere Siedlungsbereich mit einer rund 10 bis 20 cm dicken sandigen Lehmschicht überdeckt, auf der danach erneut Gebäude errichtet worden waren. Bemerkenswerterweise änderte sich nun die Bau- bzw. Konstruktionsweise der Gebäude: anstatt der Ständerbauweise wurden diese nun in der deutlich einfacheren Pfostenbauweise errichtet, von der sich in erster Linie noch die Pfostengruben nachweisen lassen, aus denen ein Gebäude in der Größe von rund 4,5 x 4 m rekonstruiert werden konnte. Weitere Pfostengruben deuten auf ein zweites, gleichartig konstruiertes frühbronzezeitliches Gebäude hin, das das fast vollständig untersuchte überlagerte und demzufolge von einer dritten und jüngsten frühbronzezeitlichen Bauphase stammen muss. Am Ende des 3. bzw. zu Beginn des 2. Jahrtausends vor Christus bricht auf jeden Fall die bronzezeitliche Besiedlung am Fuchskogel ab.

Beinahe 2.000 Jahre später wurde der Fuchskogel in spätkeltischer Zeit im 2. und 1. Jahrhundert vor Christus erneut besiedelt und auch neu befestigt. So ließ sich im Zuge der Ausgrabung feststellen, dass an den mittlerweile bereits stark erodierten frühbronzezeitlichen Wall an der Innenseite eine rampenartig ansteigende Anschüttung aus sandigem Lehm aufgeschüttet wurde. Charakteristische spätkeltische Keramikfunde aus grafitgemagertem Ton aus dieser rampenartigen Aufschüttung erlaubten eine entsprechende Datierung der inneren Wallanschüttung, die bei zahlreichen zeitgleichen Befestigungsanlagen der späten La-Tène-Zeit anzutreffen ist. Auch im Inneren der auf diese Weise befestigten Siedlung konnten spätkeltische Objekte angetroffen werden. So diente ein Balkengräbchen zur Aufnahme des Schwell- bzw. Fundamentbalkens eines Gebäudes in Ständer- oder Blockbauweise. Innerhalb dieses Gebäudes befanden sich eine Feuerstelle, zwei für diese Zeit typische rechteckige Gruben und eine weitere Abfallgrube.

Zusammenfassend kann festgehalten werden, dass durch die beiden archäologischen Ausgrabungen 2013 und 2014 nicht nur die älteste Befestigungsanlage aus dem 21. Jahrhundert vor Christus auf dem Gebiet der heutigen Steiermark erfasst werden konnte, sondern auch erstmals frühbronzezeitliche Gebäude unterschiedlicher Bauweise untersucht werden konnten. Die befestigte frühbronzezeitliche Siedlung von rund 0,3 ha Fläche stellte zur Zeit ihres Bestehens zweifelsohne eine Zentralsiedlung im mittleren Raabtal dar, die als Mittelpunkt von Handwerk und Handel, aber auch von wirtschaftlicher, religiös-kultischer und vermutlich sogar von „politischer“ Macht zu betrachten sein wird. Inwieweit diese Siedlung von weiteren Gehöften oder Weilern umgeben war, entzieht sich derzeit unserer Kenntnis, stellt doch gerade die frühe Bronzezeit mangels einschlägiger Funde eine beachtliche Lücke im Wissen über die Urgeschichte in der Steiermark dar. Bemerkenswert ist auch die Tatsache, dass der Fuchskogel in spätkeltischer Zeit erneut als befestigte Siedlung Verwendung fand.

Ausgrabungen Höhensiedlung Fuchskogel III (2015)

Von 28. September bis 9. Oktober 2015 fanden auf dem Fuchskogel bei Fladnitz zum dritten Mal archäologische Ausgrabungen durch. Die vom Historischen Verein initiierten und finanzierten Ausgrabungen wurden in bewährter Weise von einem Team des Institutes für südostalpine Bronze- und Eisenzeitforschung ISBE (Mag. Dr. Georg Tiefengraber, Mag. Susanne Tiefengraber, Mag. Christl Gruber, Mag. Stefan Fuchs) durchgeführt, wobei der Kulturpark Hengist/Wildon (Mag. Dr. Christoph Gutjahr) dankenswerterweise zusätzliche Arbeitskräfte zur Verfügung stellte. Die Ausgrabungen wurden durch das freundliche Entgegenkommen von Grundeigentümer Harald Bartlme ermöglicht.

Die kleine befestigte Höhensiedlung am Nordrand des Raabtales stellt für die steirische Landesgeschichte einen bislang einzigartigen Fall dar, konnte hier doch das erste Mal eine Befestigungsanlage aus der frühen Bronzezeit aus der Zeit um ca. 2300 vor Christus nachgewiesen werden. Die mit einem Wall und Graben befestigte frühbronzezeitliche Siedlung stellt die älteste bekannte Befestigung in der gesamten Steiermark dar!

Innerhalb der Siedlung konnten bereits im Jahr 2014 Gebäudereste und Gruben aus der frühen Bronzezeit und auch aus spätkeltischer Zeit, der sogenannten La-Tène-Zeit, aus dem 2. und 1. Jahrhundert vor Christus zu einem Teil freigelegt werden. Darüber hinaus konnte nachgewiesen werden, dass der frühbronzezeitliche Wall in keltischer Zeit noch einmal „aktiviert“ worden war. Dabei wurde die noch bestehende ältere, frühbronzezeitliche Wallkuppe mit Erdmaterial erhöht, zweifelsohne wurde auch eine neue Holzpalisade errichtet, von der sich jedoch aufgrund der starken Erosion keine Reste mehr erhalten hatten. An der Innenseite wurde darüber hinaus eine mehrere Meter breite Erdrampe angeschüttet, die den Wall zusätzlich verstärkte. Diese Rampenschüttung aus spätkeltischer Zeit überdeckte ältere frühbronzezeitliche Gebäudereste, die dadurch sehr gut erhalten waren. Ein Gebäude, dessen Fußboden bzw. Unterlage aus einer massiven Rollsteinlage bestand, konnte 2014 teilweise freigelegt werden. Im Zuge der Ausgrabung 2015 wurde dieses bemerkenswerte Gebäude nun vollständig freigelegt.

Das Gebäude war demzufolge rund 3,5 x 9 m groß, insbesondere entlang der besser erhaltenen Südseite fanden sich zahlreiche Brocken von hitzeverziegeltem Lehmbrocken des einstmaligen Wandbewurfes, sogenannter Hüttenlehm. Wie eine Reihe von Holzabdrücken in diesen Lehmbruchstücken belegt, bestand das Gebäude ursprünglich aus Holzstehern bzw. -pfosten, deren Zwischenräume mit Rutengeflecht ausgefacht waren, die wiederum mit Lehm ummantelt bzw. verputzt waren.

Im Bereich dieses Gebäudes konnten zahlreiche Tongefäßbruchstücke sowie zwei tönerne Spinnwirteln entdeckt werden, die erneut einen Hinweis auf die Herstellung von Textilien (Garne, Seile, Stoffe etc.) zu geben vermögen. Als besonders bemerkenswert erwiesen sich die reichen Keramikfunde. Während die Stücke aus der Ausgrabung des Jahres 2014 hauptsächlich der frühbronzezeitlichen Kisapostag-Kultur zuzuordnen waren, überwiegten im Jahr 2015 Stücke, die der ebenfalls frühbronzeitlichen Somogyvár-Vinkovci-Kultur zuzuweisen sind, die in die Zeit um 2500/2400 vor Christus zu datieren ist und gleichsam den Vorläufer der erwähnten Kisapostag-Kultur darstellt.

Beide Kulturgruppen sind auf dem Gebiet der heutigen Steiermark in gerade einmal „einer Handvoll“ Fundstellen bekannt geworden, wobei es sich zumeist nur um Streufunde handelte. Mit den Ausgrabungen auf dem Fuchskogel konnten nun erstmals konkrete Siedlungsbefunde, d.h. Gebäudereste und Gruben, dieser frühbronzezeitlichen Kulturgruppen in der Steiermark erfasst werden, was den hohen Stellenwert des Fuchskogels für die steirische Landesgeschichte trefflich unterstreicht.

Neben der vollständigen Aufdeckung des erwähnten Gebäudes, wurde darüber hinaus eine weitere Fläche im Inneren der Siedlung untersucht, um Hinweise auf die einstmalige Dichte der Besiedlung bzw. Bebauung im Siedlungsinneren zu gewinnen. Erneut konnten hierbei zuoberst Reste von zumindest zwei Gebäuden und Gruben aus spätkeltischer Zeit dokumentiert werden, darunter fanden sich gut erhaltene frühbronzezeitliche Siedlungsobjekte, wie etwa Abfall- oder Pfostengruben.

Durch die nunmehr dritte Ausgrabungskampagne zeigte sich, dass auf dem Fuchskogel zwischen dem 25. und 23. Jahrhundert vor Christus eine (zumindest) zweiphasige frühbronzezeitliche Besiedlung bestand. Während die erste Siedlungsphase der Zeit um 2500/2400 vor Christus (Somogyvár-Vinkovci-Kultur) anscheinend noch unbefestigt war, wurde um etwa 2300 vor Christus in einer zweiten Phase der Besiedlung ein Graben ausgehoben sowie dahinter ein massiver Erdwall aufgeworfen, dem eine Holzpalisade vorgesetzt worden war. Dieser Erdwall überlagerte bereits Gebäudereste der ersten Bauphase und trug massgeblich zu ihrer guten Erhaltung bei.

Nach einer über 2000-jährigen Unterbechung wurde der Fuchskogel im 2./1. Jahrhundert vor Christus erneut besiedelt. Die noch vorhandenen Befestigungen wurden wieder instand gesetzt und erweitert. Auch in dieser spätkeltischen Siedlung, von der zahlreiche Gebäudereste sowie Abfallgruben etc. aufgedeckt werden konnten, konnte eine mehrphasige und bemerkenswert dichte Bebauung festgestellt werden. Noch vor der Zeitenwende bricht diese Siedlung ab. Jüngere Besiedlungsspuren konnten bislang nicht festgestellt werden.

Die Ergebnisse der C14-Analyse von Holzkohlenmaterial der Ausgrabung brachte übrigens ein überraschendes und hochinteressantes Ergebnis: Das entnommene Probematerial ist offensichtlich aus der spätlatènezeitlichen Bauphase in „tiefere“ Schichten gelangt und lässt sich mit 68 Prozent Wahrscheinlichkeit zwischen 45 vor und 25 nach Christus bzw. bei 95 Prozent Wahrscheinlichkeit zwischen 85 vor und 60 nach Christus datieren. Das ist ein Zeitabschnitt, aus der aus der Oststeiermark so gut wie nichts bekannt ist.

In dieser Zeit sind die großen befestigten Höhensiedlungen (Königsberg bei Tieschen, Ringkogel bei Hartberg oder Kulm bei Weiz) vermutlich schon wieder aufgegeben bzw. verlassen worden. Stattdessen dürften kleine befestigte Siedlungen, wie eben der Fuchskogel bei Fladnitz, angelegt worden sein. Ausgrabungsleiter Dr. Georg Tiefengraber vermutet, dass dieses Verlassen der großen Höhensiedlungen mit einem erheblichen Bevölkerungs- und Machtrückgang der hier ansässigen (wohl tauriskischen) Teilstämme zu tun hat – bedingt durch die für die Taurisker und Boier desaströs verlaufenden Dakerkriege.

Ausgrabungen Höhensiedlung Fuchskogel IV (2017)

Von 10. bis 19. Juli 2017 wurde auf dem Fuchskogel die vierte und vorläufig abschließende Ausgrabung durchgeführt. Die durch Subventionen des Bundesdenkmalamtes und der Gemeinde Kirchberg ermöglichten Ausgrabungen wurden vom Historischen Verein für das Kirchberger Ländchen initiiert und vom Archäologenteam Mag. Dr. Georg Tiefengraber, Mag. Thomas Grillhofer und Ferdinand Mittermaier vom Institut für südostalpine Bronze- und Eisenzeitforschung ISBE durchgeführt. Grundeigentümer Harald Bartlme sei für sein großzügiges Entgegenkommen und seine vielfältige Unterstützung an dieser Stelle nochmals herzlich gedankt.

Nachdem im Jahr 2013 die Untersuchungen des Abschnittswalles und des vorgelagerten Grabens überraschenderweise eine frühbronzezeitliche Errichtung dieser Befestigung im 23. bzw. 22. Jahrhundert vor Christus sowie eine erneute Instandsetzung in spätkeltischer Zeit (1. Jahrhundert vor Christus) belegten, konzentrierten sich die Ausgrabungen der Jahre 2014, 2015 und 2017 auf den inneren Siedlungsbereich. Hier konnte zusammenfassend festgestellt werden, dass der Fuchskogel in der frühen Bronzezeit erstmals besiedelt und auch befestigt worden war.

Wie die Ausgrabungen 2017 zeigten, wurde insbesondere das nach Norden hin leicht abfallende Gelände zuerst stufenartig künstlich eingeebnet bzw. terrassiert, um möglichst ebene Siedlungsflächen zu gewinnen, auf denen dann Wohn- und Wirtschaftsgebäude errichtet wurden. Neben einfachen Pfostenbauten, bei denen die Zwischenräume zwischen den einzelnen Stehern mit Rutengeflecht ausgefacht und mit Lehm verputzt worden waren, der nach Hitzeeinwirkung oftmals noch in leicht verziegelten Bruchstücken mit Holzabdrücken erhalten blieb, wurden auch Holzgebäude errichtet, die auf einer Steinrollierung aufsaßen. Ein solches, etwa 9 x 3 m große Gebäude konnte 2014 und 2015 vollständig untersucht werden. Noch während der Frühbronzezeit wurden laufend Erneuerungen oder Umbauten an den Gebäuden vorgenommen, daneben wurden auch immer wieder Planierungen aufgeschüttet, um erneut ebene Nutzfläche in der Siedlung zu gewinnen. Auch der Erdwall, dem nach außen zu eine hölzerne Palisade vorgeblendet worden war, wurde in der Frühbronzezeit erneuert bzw. höher aufgeschüttet.

Bei den Ausgrabungen 2017 konnte erstmals eine zweite Benutzungsphase der Siedlung nachgewiesen werden: So fand sich inmitten des heurigen Ausgrabungsareals eine ehemalige Vorratsgrube von „birnförmiger“ Form, die nach ihrer Auflassung mit Abfall verfüllt worden war. Neben einer steinernen Reibplatte zum Mahlen von Mehl und zweier zugehörender Reibsteine fand sich in der Grubenverfüllung ein Teil eines tönernen Webgewichtes, das Hinweise auf die einstmalige Herstellung von Textilien in dieser Siedlung gibt. Die Keramikgefäßfragmente aus dieser Grube erlauben aufgrund ihrer Verzierungen und Faktur vorerst eine erste Datierung in die späte Bronze- bzw. Urnenfelderzeit (10./9. Jahrhundert vor Christus) und belegen somit eine Nutzung des Fuchskogels auch in dieser Zeit, in der gerade aus der Oststeiermark eine ganze Reihe von ausgesprochen großen Höhensiedlungen bekannt geworden sind, die eine dichte Besiedlung zu belegen vermögen. Es lässt sich somit festhalten, dass der Fuchskogel etwa auch in der Zeit besiedelt gewesen war, in der die nahe gelegene große Höhensiedlung auf dem Fötzberg in der Gemeinde Eichkögl ihren Besiedlungshöhepunkt erfuhr.

Die archäologischen Untersuchungen in der auf den ersten Blick vielleicht unscheinbar wirkenden Höhensiedlung auf dem Fuchskogel haben somit ganz bemerkenswerte und wichtige Ergebnisse nicht nur zur regionalen Besiedlungsgeschichte liefern können, vielmehr gelang sogar der Nachweis der ältesten bislang bekannt gewordenen Befestigungsanlage in der Steiermark selbst.