Exkursion mit dem Landeszeughaus ins Sotlatal I

Eine dreitägige Exkursion des Landeszeughauses Graz und des Historischen Vereins unter der fachkundigen Leitung von Dr. Leopold Toifl, wissenschaftlicher Leiter des Landeszeughauses Graz, und Dr. Ulrich Becker, Sammlungskurator der Kulturhistorischen Sammlung, führte die 35 Teilnehmer von 17. bis 19. Mai 2019 in das ehemals zur Steiermark gehörige Sotlatal im heutigen Slowenien. Das Sotlatal – die Sotla bildet den Grenzfluss zwischen Slowenien und Kroatien – und das angrenzende Draufeld mit Ptuj/Pettau waren schon seit dem 12. Jahrhundert Angriffsziel für ungarische und türkische Truppen. Die Zeit vom Ende des 15. Jahrhunderts bis zum Ende des 16. Jahrhunderts war auch die Epoche großer Bauernaufstände. Die zahlreichen Burgen in der Region legen Zeugnis von diesen Ereignissen ab.

Am ersten Tag besuchte die Gruppe Maribor/Marburg, wo eine Führung durch das Pokrajnski Musej mit Kuratorin Dr. Tina Varl und eine Stadtführung mit Mag. Marina Kosar stattfanden. Weiter ging es zur Kartause Seitz. Das ehemalige Kloster geht auf eine Gründung des steirischen Markgrafen Otakar III. im Jahr 1160 zurück. Es entwickelte sich im späten 14. Jahrhundert zu einem der führenden Klöster Mitteleuropas. 1782 wurde das Kloster auf Befehl Kaiser Josefs II. aufgehoben und damit dem Verfall preisgegeben. Unterkunft fanden die Exkurisonteilnehmer im Hotel Sava in Rogaska Slatina/Rohitsch Sauerbrunn, Sloweniens ältestem und größtem Kurort mit seinen klassizistischen, von Parks umgebenen Gebäuden.

Am zweiten Tag führte die Exkursion über Podcetrtek/Windischlandsberg  zur Burg Veliki Tabor in Kroatien. Die Burg geht in ihren Ursprüngen auf das 12. Jahrhundert zurück und erhielt ihr heutiges Aussehen als gotische Festung im 15. Jahrhundert durch die Grafen von Celje/Cilli. 1502 fiel Veliki Tabor für 300 Jahre an die ungarische Adelsfamilie Rattkay. 1918 kam die Burg zum SHS-Staat und gehört heute dem Staat Kroatien. Durch die Sotlaschlucht mit der auf slowenischer Seite gelegenen Ruine Kunsperk/Königsberg und auf kroatischer Seite gelegenen Burgruine Cesargrad/Kaisersberg führte der Weg nach Brezice/Rann an der Save. Der Ort erhielt 1353 die Stadtrechte von den Salzburger Erzbischöfen. Nach mehrmaligen Türkenangriffen und der Besetzung durch ungarische Truppen unter Matthias Corvinus gelang es Kaiser Maximilian I. im Jahr 1459, die Stadt zu befreien. Die anhaltende Türkengefahr führte zum Ausbau der Burg und der Wehranlagen. 1693 kam das Gebiet in den Besitz der Familie Attems. Nach der Besichtigung des Schlosses ging es weiter nach Bizeljseko/Wisell und Bistrica ob Sotli/Feistritz am Sattelbach. Die letzte Besichtigung des zweiten Tages galt der Kirchen- und Klosteranlage Olimje/Olimie, die nach einer ebenfalls wechselvollen Geschichte heute vom Orden der Minoriten betreut wird.

Am dritten und letzten Tag stand zu Beginn das ehemalige Nonnenkloster in Studenica auf dem Programm. Es wird 1246 erstmals urkundlich erwähnt und hatte unter vielfachen türkischen Angriffen und Plünderungen durch aufständische Bauern zu leiden. Nur wenige Kilometer entfernt liegt Schloss Stattenberg. Sein heutiges Aussehen erhielt es Anfang des 18. Jahrhunderts im Auftrag der Grafenfamilie Attems. Über Ptujska Gora/Maria Neustift ging es weiter nach Ptuj/Pettau, dem Schusspunkt der Exkursion. Pettau wird als „älteste Stadt der Steiermark“ bezeichnet, nachdem ihre Anfänge auf eine illyrische Siedlung aus dem ersten vorchristlichen Jahrhundert zurückgehen. Im Jahr 15 vor Christus gründeten die Römer ihre Stadt Poetovio und ab 1504 war sie im Besitz der Erzbischöfe von Salzburg. Das 19.000 Einwohner zählende Städtchen war über 2.000 Jahre lang das blühende Handelszentrum der Region. Durch den Bau der Bahnlinie durch Marburg  begann die Stadt ihre Bedeutung zu verlieren.